Lied der Woche

LIED DER WOCHE 29

Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (Youtube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit!

(Alle "Lieder der Woche" wandern auch in unsere Mediathek und können HIER gerne immer wieder angeschaut werden!)

Das Video entstand im Rahmen des Internationalen Wettbewerbs für Liedknst Stuttgart 2020 am 4. Oktober 2020 in der Musikhochschule Stuttgart (Preisträgerkonzert).


LIEDTEXT
Kennst du das Land? wo die Citronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man Dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht’ ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.
Kennst du ihn wohl?
Dahin! Dahin
Geht unser Weg! o Vater, lass uns ziehn!


TEXTDICHTER: Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

KOMPOSITIONSJAHR: 1888

INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: Bertram Kottmann):
In „Kennst du das Land,“ erinnert sich Mignon der Marmorvilla ihrer Kindertage (Goethe liebte die palladianischen Villen Italiens), die Zitrushaine, die Sonne am Himmel Italiens und die nebelverhangenen Gebirgspfade. Er schildert uns zu Beginn des dritten Buchs, dass sie “feierlich und prächtig” sänge so „ als ob sie etwas Wichtiges vortragen wolle“ und Wolf tränkt seine Vertonung mit der ganzen Leidenschaftlichkeit der musikalischen Welt nach Bayreuth. Dies ist eines seiner niederschmetterndsten Lieder: die Crescendi zu jedem Refrain „Dahin! dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, /mein Beschützer, / mein Vater / ziehn.“ sollte unsere Knie erweichen, genau so wie die Ausbrüche im Klavier, die ihnen vorausgehen. Um Drachen und Felsstürze aufzuzeigen, tut Wolf alles in seiner Macht stehende, um die Intensität der an sich schon gefühlsstarken Musik zu steigern.

In "Kennst du das Land", Mignon remembers the marble villa of her childhood (Goethe loved Italy’s Palladian villas), the citrus groves and sunny skies of Italy, and the mist-wreathed mountain paths. Goethe tells us at the beginning of Book 3 that she sings with “a certain solemn grandeur, as if . . . she were imparting something of importance.” and Wolf imbues his setting with all the passionate intensity of the musical world after Bayreuth. This is one of his most shattering songs: the crescendo to each of the refrains, „“There, there would I go with you, o my beloved, my protector, my father!“ should leave all of us weak at the knees, and so should the outbursts in the piano that precede them. At the invocation of dragons and rock falls, Wolf does everything in his considerable power to increase the intensity of his already intense music.

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