Lied der Woche

LIED DER WOCHE 14a

Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (Youtube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit!

Das Video entstand im Rahmen der Reihe "Der ganze Hugo Wolf" am 23. März 2017 im Hospitalhof Stuttgart (Der ganze Hugo Wolf V)

LIEDTEXT
Herr, was trägt der Boden hier,
Den du tränkst so bitterlich?
»Dornen, liebes Herz, für mich,
Und für dich der Blumen Zier.«


Ach, wo solche Bäche rinnen,
Wird ein Garten da gedeihn?
»Ja, und wisse! Kränzelein,
Gar verschiedne, flicht man drinnen.«

O mein Herr, zu wessen Zier

Windet man die Kränze? sprich!
»Die von Dornen sind für mich,
Die von Blumen reich ich dir.«


TEXTDICHTER: Paul Heyse (1830-1914) nach Anonnymus


KOMPOSITIONSJAHR: 1889


INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: IHWA) 

Im Dialog-Passionslied "Herr, was trägt der Boden hier" steigen die Fragen des Sünders zu Christus hinab, ähnlich einem verkürzten Kreuzweg. Es sind kurze, gequälte Abfolgen ohne Aussicht auf Auflösung, jede ein musikalischer Schmerzensstich, während die Antworten Christi meist reine Dreierakkorde von sattem, vollem Klang sind. Aber die beiden scheinbaren Dichotomien von Spannung/Komplexität/kein Ruheort auf der einen Seite und vollkommener Süße andererseits sind tatsächlich sehr eng miteinander verbunden: Die Christus-Musik beantwortet die vorangegangene Qual mit mystischer Gewissheit. Erst im letzten Takt des Liedes hören wir die verheißene Tonika. Wenn Christus singt »Die von Dornen sind für mich, die von Blumen reich ich dir«, gibt es eine trügerische Bewegung bei seinem letzten Wort zu einer dunklen, reichen Klangfülle (die untere Mediante von E-Dur), bevor uns das Klavier leise die picardische Terz (d. i. die große Dur-Terz im Tonika-Schlussakkord eines musikalischen Abschnitts) über der versprochenen E-Dur-Tonart bringt – und damit alle Helligkeit und Wärme von Dur.

In the dialogue-Passion song, Herr, was trägt der Boden hier, the sinner’s questions to Christ descend like Stations of the Cross in short, tortured progressions with no resolution in sight, each one a musical stab of pain, while Christ’s answers are mostly pure triadic chords in rich, full textures. But the two seeming dichotomies of tension/complexity/no resting place on the one hand and utter rich sweetness on the other are actually very closely related: Christ’s music answers the preceding anguish with mystic certainty. Not until the last measure of the song do we hear the promised tonic key appear: when Christ sings, “The garland of thorns is for me, the one of flowers I give to thee,” there is a deceptive move on His last word to a dark, rich sonority (the submediant of E major) before the piano quietly brings us a Picardy third on the promised key of E in the brightness and warmth of major.

upcoming
April 2020
So
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
Gallery
Follow Us