Lied der Woche

Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (YouTube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit!

(Alle "Lieder der Woche" wandern auch in unsere Mediathek und können HIER gerne immer wieder angeschaut werden!)

LIED DER WOCHE 88

Erwartung

Matthias Klink (Tenor)
Marcelo Amaral (Klavier)

Das Video entstand im Rahmen der Reihe "Der ganze Hugo Wolf" am 25. Mai 2019 im Mozart-Saal/Liederhalle Stuttgart (Der ganze Hugo Wolf IX).

LIEDTEXT
Grüß euch aus Herzensgrund:
Zwei Augen hell und rein,
Zwei Röslein auf dem Mund,
Kleid blank aus Sonnenschein!

Nachtigall klagt und weint,
Wollüstig rauscht der Hain,
Alles die Liebste meint:
Wo weilt sie so allein?

Weil’s draußen finster war,
Sah ich viel hellern Schein,
Jetzt ist es licht und klar,
Ich muss im Dunkeln sein.

Sonne nicht steigen mag,
Sieht so verschlafen drein,
Wünschet den ganzen Tag,
Dass wieder Nacht möcht’ sein.

Liebe geht durch die Luft,
Holt fern die Liebste ein;
Fort über Berg und Kluft!
Und sie wird doch noch mein!

TEXTDICHTER
: Joseph von Eichendorff (1788–1857)

KOMPOSITIONSJAHR: 1880

INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: IHWA):
Erwartung, in der ein erwartungsvoller Liebhaber von dem Tag träumt, an dem seine Geliebte ihm gehört, zählt zu Wolfs frühen Eichendorff-Vertonungen aus dem Jahr 1880. Hier manifestiert sich die Sehnsucht in den sich überschneidenden Rhythmen von Gegenwart (3/8-Takt in der Gesangsstimme) und jenen erotischen Träumen, die als fünf Achtelnoten umspannende, abwärts driftende Figur im Klavier musikalisch Gestalt annehmen und auf dem schwächsten (dritten) Taktschlag beginnen; dies wird so betont, dass wir die »Reibung« der beiden rhythmischen Muster gegeneinander deutlich wahrnehmen und damit auch die Art und Weise, wie die Liebe uns auf dem falschen Fuß erwischt. Am Ende ist sich der Liebhaber dann allerdings lautstark und glückselig der künftigen Vereinigung sicher: »Und sie wird doch noch mein!«

Erwartung, in which a lover-in-waiting dreams of the day a beloved will be his, is among Wolf's early Eichendorff settings, dating from 1880. Here, yearning is made manifest in the cross-rhythms between the present moment in 3/8 in the vocal line and those blissful erotic dreams that take musical shape as a downward-drifting figure in the piano spanning five eighth notes and beginning on the weakest (third) beat of the measure, accented that we might mark the "rub" of one rhythmic pattern against another and the way love catches us off-base. By the end, he is loudly and happily sure of future union.