Lied der Woche

Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (YouTube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit!

(Alle "Lieder der Woche" wandern auch in unsere Mediathek und können HIER gerne immer wieder angeschaut werden!)

LIED DER WOCHE 80

Der Feuerreiter

Ludwig Mittelhammer (Bariton)
Jonathan Ware (Klavier)

Das Video entstand im Rahmen des Jubiläumskonzerts zum 10. Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart am 18. September 2016 im Konzertsaal der HMDK Stuttgart.

LIEDTEXT:

Sehet ihr am Fensterlein

Dort die rote Mütze wieder?

Nicht geheuer muß es sein

Denn er geht schon auf und nieder.

Und auf einmal welch Gewühle

Bei der Brücke, nach dem Feld!

Horch! das Feuerglöcklein gellt:

Hinterm Berg, Hinterm Berg,

Brennt es in der Mühle!


Schaut! da sprengt er wütend schier

Durch das Tor, der Feuerreiter,

Auf dem rippendürren Tier,

Als auf einer Feuerleiter!

Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle

Rennt er schon und ist am Ort!

Drüben schallt es fort und fort:

Hinterm Berg, Hinterm Berg

Brennt es in der Mühle!


Der so oft den roten Hahn

Meilenweit von fern gerochen,

Mit des heilgen Kreuzes Span

Freventlich die Glut besprochen –

Weh! dir grinst vom Dachgestühle

Dort der Feind im Höllenschein.

Gnade Gott der Seele dein!

Hinterm Berg, Hinterm Berg

Rast er in der Mühle!


Keine Stunde hielt es an,

Bis die Mühle borst in Trümmer;

Doch den kecken Reitersmann

sah man von der Stunde nimmer.

Volk und Wagen im Gewühle

Kehren heim von all dem Graus;

Auch das Glöcklein klinget aus:

Hinterm Berg,

Hinterm Berg Brennts! -


Nach der Zeit ein Müller fand

Ein Gerippe samt der Mützen

Aufrecht an der Kellerwand

Auf der beinern Mähre sitzen:

Feuerreiter, wie so kühle

Reitest du in deinem Grab!

Husch! da fällts in Asche ab. Ruhe wohl, Ruhe wohl

Drunten in der Mühle


TEXTDICHTER: Eduard Mörike (1804-1875)

KOMPOSITIONSJAHR: 10.10.1888

INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: IHWA):

"Der Feuerreiter": Neben Schuberts Erlkönig ist dies wohl eines der virtuosesten  Lieder, das jemals komponiert wurde. Der übernatürliche »Feuerreiter«, der landauf, landab tobt und die Mühlen zerstört, in denen das Getreide die Grundlage für das lebensnotwendige Brot ist, ist Mörikes Symbol für den Geist der Anarchie. Wolf lässt in seiner Musik das geisterhafte Geschöpf zunächst zu einem ungestümen Leben erwachen und singt dann ein gespenstisches Klagelied über dessen Asche.

"Der Feuerreiter" - on a par with Schubert’s “Erlkönig” as one of the most virtuosic songs ever written. The supernatural “fire-rider” is Mörike’s symbol for the spirit of anarchy, rampaging up and down the countryside and destroying the mills where grain is ground to make life-sustaining bread. Wolf first brings the spectral creature to tumultuous life in music and then sings a haunting dirge over his ashes.