Wettbewerbs-Nachklang von Hugo Wolf

Nach aufregenden Wettbewerbstagen, in denen er sich nicht lumpen ließ, auch online mit seinen Anhängern zu kommunizieren, ist Hugo Wolf nach Wien zurückgekehrt und meldet sich von dort aus zum vorerst letzten Mal mit diesem Gruß:

 

Verehrte Wettbewerbsteilnehmerinnen und Wettbewerbsteilnehmer,

verehrte Preistraegerinnen und Preistraeger,

electrifizierende Tage voller Eindrücke liegen hinter mir, und ich gratuliere Ihnen allen von Herzen zu Ihren ganz fabelhaften Auftritten! Sie haben sich nicht nur Preise errungen und ersungen, nein – Sie haben in meinem alten Stuttgart auch mein Herz erobert, wie ich’s mir nicht hätte träumen lassen können. Fürwahr: Dass es um die vielfach totgesagte Kunstform Lied gar nicht so schlecht bestellt sey, wie Ihre charmante Wettbewerbs-Intendantin meinte – dies konnte ich mit Haut und Haar erleben. Nur tragen Sie nun bitte auch weiterhin hinaus und hinein in die Welt, wofür Sie mit mir, Ihrem Kunstgenoßen, glühen: „Auch kleine Dinge können uns entzücken…“, nicht wahr? Und so wünsche ich Ihnen bei der Ausuebung dieser hinreißenden Kunst auch weiterhin das, wofür ich allezeit mit meinem Namen Hugo stehen werde: Hingebung, Unmittelbarkeit, Gefühl und Originalität! Dann wird’s mir um’s Lied auch fürderhin nicht bange sein.

Vielleicht dünkt mich ja bei unserem nächsten Wiederhören der Moment zu einer persönlichen Begegnung gekommen. Mein idyllisches Dasein in der Concertsaal-Abgeschiedenheit schien mir vorläufig der rechte Platz, um Ihnen zu lauschen. Und so nah wie Sie mir in Ihrem Singen und Sagen waren, so nah war ich Ihnen und werde es Ihnen auf immer sein.

Mit viel tausend Grüßen

Ihr Hugo Wolf

 

Text: Rafael Rennicke, Foto: Holger Schneider