Nächste Veranstaltung
Website drucken

Mittwoch, 19.09.2018, 11.00 Uhr

Konzertsaal, Musikhochschule

11. Int. Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart

Der Internationale Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart ist einer der ältesten und traditionsreichsten Wettbewerbe dieser Art im deutschsprachigen Raum. Zunächst in Wien ausgetragen, ab 1987 in Stuttgart stattfindend, hat er sich in den vergangenen rund 30 Jahren ein internationales Renommee erworben und wird heuer zum bereits 11. Mal in Stuttgart ausgetragen. 36 Liedduos aus 25 Nationen (von Brasilien bis Australien) werden am 18. und 19. September in der 1. Runde  vor der renommierten Jury unter dem Vorsitz von Kammersängerin Brigitte Fassbaender auftreten.

Die Wettbewerbsrunden sind öffentlich (1. Runde nur für Mitglieder der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie). Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten (wettbewerb@ihwa.de, Tel. 0711-221177).

Weitere Informationen zum Wettbewerb und zum Ablauf unter www.lied-wettbewerb.de.

 

Aktuelles

Der 1. Tag unseres Wettbewerbs im Nachklang

von Rafael Rennicke

 

Die Hochschule ist in Hugos Händen! Man sieht’s und hört’s auf Schritt und Tritt: Auf Plakaten prangt die Unterschrift Hugo Wolfs, der zum „11. Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart“ einlädt, aus verwinkelten Fluren tönen Soprankoloraturen und Klavierkaskaden, während im Wettbewerbsbüro alle Fäden zusammen- und die Drähte heißlaufen. Endlich geht’s los!

 

Im Konzertsaal hingegen: Heimlichkeit. Wer ihn kurz vor Wettbewerbsbeginn betritt, fühlt sich beinahe in eine Kathedrale versetzt. Nur die Juroren-Pulte sind beleuchtet und gleichen einem monumentalen siebenarmigen Kerzenständer. Selbst als das Publikum den Saal betritt und Platz nimmt, liegt spannungsvolle Stille im Raum, die Neugierde ist zum Greifen nah: Welche Gesichter, welche Stimmen verbergen sich wohl hinter den Namen der insgesamt 15 Liedduos, die heute den Auftakt machen?

 

Die Intendantin der Hugo-Wolf-Akademie, Cornelia Weidner, begrüßt – allen voran die Jury, die vom Publikum mit herzlichem und kennerschaftlichem Applaus bedacht wird. Auch ein Fernsehteam des SWR-Magazins KUNSCHT ist im Saal – und eine Vielzahl an Akademie-Mitgliedern, darunter Nobelpreisträgerin und Kuratoriumsmitglied Christiane Nüsslein-Volhard, die das Privileg haben, bei der noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stehenden ersten Wettbewerbs-Runde dabei zu sein. Sie lauschen den Auftritten mit geschlossenen Augen und bisweilen gespitzten Stiften: Notizen in den Liedtextblättern, Kurzimpressionen im Wettbewerbskatalog als Hinterlassenschaften eines durch und durch spannenden Wettbewerb-Nachmittags.

 

Vor allem aber dies: Unendlich viele Eindrücke, die nicht immer leicht in Worte zu fassen sind. Als um 14:08 Uhr der erste Ton erklingt, liegt mit einem Mal die ganze Kraft und sprühende Energie im Raum, die Liedgesang zum unvergesslichen Erlebnis machen kann. Zupackend und „con fuoco“ startet der Wettbewerb mit Franz Schuberts „Auf der Bruck“, kurz darauf folgt ein Lied des Namenspatrons der Akademie: Hugo Wolfs innigliche „Verborgenheit“. Und zum Abschluss präsentieren Mikhail Timoshenko aus Russland und Elitsa Desseva aus Bulgarien – das erste Liedduo dieses Nachmittags – ein Lied Gabriel Faurés: schwerelos und perlend spannen sich die Gesangsmelodielinien über glitzernden Klavierkaskaden in den Raum… Hier war sie schon zu erleben: Die Weite des Liedrepertoires, die auch beim diesjährigen Wettbewerb in vollen Zügen durchmessen werden wird und die die Juryvorsitzende Brigitte Fassbaender im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ so schön wie sinnig mit einem Landschaftspanorama verglichen hat. Und so hörte man schon heute neben den bekannten Giganten Schubert und Wolf eben auch manch Unvertrautes von Fauré, die eindrucksvolle Vertonung einer Grabinschrift des ungarischen Komponisten György Kurtág oder ein brodelndes Lied des 1979 geborenen Anno Schreier. Phantastisches Neuland inmitten vertrauten Terrains!

 

9 Soprane, zwei Baritone, jeweils ein Mezzosopran, Tenor, Bass-Bariton und Bass, darunter Teilnehmer aus Brasilien, Australien und Südkorea und mit 22 Jahren auch die jüngste Wettbewerbsteilnehmerin: So bunt und vielfältig nahm sich der Nachmittag allein schon in der Schriftform aus. Doch was passierte erst auf der Bühne, die so festlich geschmückt und illuminiert war, dass sie so gar nicht nach einer Wettbewerbsbühne, sondern nach einer veritablen Konzertbühne aussah? Da gab es Auftritte, die bereits von Anfang Funken stieben ließen. Da gab es – natürlich – auch die verhalteneren Auftritte. Und es gab solche, in denen sich die Musik mehr und mehr zur Blüte öffnete. Überraschend reife Stimmen waren zu erleben, aber auch hier und da das noch etwas Ungeschliffene im Zusammenspiel von Sänger und Pianist. Da gab es Momente, da über kostbare Worte ein wenig hinweggesungen wurde, die Innenräume der Worte verborgen blieben, anstatt dass sie sich offenbarten. Und es gab auch und immer, immer wieder die Momente großer Vehemenz, großer Intensität, da die Liedbühne für Augenblicke zur Opernbühne wurde, zum Drama, zu den Brettern, die die Welt bedeuten.

 

Und ja, es gab sogar auch dies: Die Gänsehaut-Momente, da die Symbiose von Sänger und Pianist, von Text und Musik vollkommen zu sein schien. Da ein Schauer über den Rücken fuhr und einige Zuhörer im Saal die Augen schlossen. Liedkunst als Offenbarung, als vollkommene Hingabe der Interpreten an die Musik und ihre Zuhörer, Liedkunst als Faszination. Morgen mehr davon!

Ein Grußwort von Hugo Wolf

Rechtzeitig zum Wettbewerbs-Beginn ist auch Hugo Wolf aus Wien eingetroffen. Eine Ehrensache für ihn, den Wettbewerbsteilnehmern alles Gute zu wünschen. Hier sein Grußwort:

 

Verehrte Sängerinnen und Sänger,

 

für einen Componisten gibt’s nichts Herrlicheres, als auch noch 115 Jahre nach seinem Hinscheiden gesungen zu werden. Und dass Sie dafuer ausgerechnet nach Stuttgart gekommen sind! Sie wissen, daß mir die Neckarstadt eine ganze Menge bedeutet – mein Freund Hugo Faißt hatte hier einst einen Kreis von Liebhabern des Lieds und der Gesangskunst um sich geschart, den Hugo-Wolf-Verein, und unvergessen sind mir zahlreiche Feste, Liederabende, Concerte… Sie nun kommen hierher, um sich in einem Wettbewerb gegenseitig zu messen. Kann die Ausuebung von Kunst, zumal der Liedkunst, überhaupt gemessen werden? Setzen wir, bei allem Ansporn, den ein solches Kräftemessen bedeutet, hier doch gerne ein kleines Fragezeichen. Und gestatten Sie mir, Ihnen für die kommenden Wettbewerbstage vielmehr dies auf den Weg zu geben: Singen Sie mit Hingabe, mit Unmittelbarkeit, mit Gefühl und mit Originalität – dafür stehe ich mit meinem Namen H-U-G-O und wünsche Ihnen allen, ganz unabhängig von Ergebnissen, electrifizierende Erlebnisse!

 

Ihr Hugo Wolf

(Wuerden Sie mir erlauben, mich incognito unters Stuttgarter Publikum zu mischen? Meine Neugierde ist einfach zu groß!)